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Kultur

Tiyatro Diyalog: Theater als Brückenbauer zwischen Kulturen

Das Tiyatro Diyalog in Karlsruhe ist ein besonderes Theater. Es soll vom Mitmachen leben und den kulturellen Austausch fördern.
Außenansicht des Kulturzentrums Tempel, Backsteinbau mit gotisch spitzen Fenstern und Türmen
Im Kulturzentrum Tempel in Mühlburg führt das Tiyatro Diyalog seine Stücke auf.Foto: fri

Unterhalten, zum Mitmachen anregen und Menschen verschiedener Kulturen miteinander verbinden – das ist das Konzept des Theaters Tiyatro Diyalog, das es seit 25 Jahren in Karlsruhe gibt.

Das Tiyatro Diyalog ist kein gewöhnliches Theater. Platz nehmen, warten, bis sich der Vorhang hebt und das Spiel beginnt? Das gibt es auch, aber Gründer und Theaterleiter Ruşen Kartaloğlu will mehr: Das Theater soll vom Mitmachen leben, es soll den kulturellen Austausch fördern und vor allem junge Menschen fürs Theater begeistern.

Theaterspiel auf dem Stundenplan

Viele Kinder und Jugendliche kennen ihn einfach als Ruşen: Wenn er zu einem seiner Workshops an Schulen kommt, dann steht Abwechslung vom sonstigen Unterricht auf dem Stundenplan: Es werden Aufwärm- und Konzentrationsübungen gemacht, es wird improvisiert und manchmal auch ein Stück einstudiert und zur Aufführung gebracht.

Schauspieler Ruşen Kartaloğlu mit ausgebreiteten Armen, einen Stock in der Hand.
Theatergründer Ruşen Kartaloğlu als traditioneller türkischer Geschichtenerzähler im Stück „Die heimatlose Wahrheit“.Foto: Tiyatro Diyalog

Bei einem seiner Workshops in der Pestalozzi-Schule trifft er regelmäßig auf die Vorbereitungsklasse. 11- bis 13-Jährige aus rund zehn verschiedenen Ländern mit ebenso vielen Sprachen. Ruşen Kartaloğlu macht die ersten Übungen mit ihnen – Bewegungsübungen und Zählübungen. Er ruft seine Kommandos laut und deutlich zu – in allen möglichen Sprachen, und manchmal auch auf Badisch.

Die Workshops vermitteln Selbstbewusstsein

Eigentlich, sagt Ruşen Kartaloğlu, beherrscht er nur Deutsch und Türkisch, aber einzelne Worte hat er in vielen Sprachen parat. „Die Kinder freuen sich, wenn sie in ihrer Muttersprache begrüßt werden“, ist seine Erfahrung. Manche Kinder in der Klasse verstehen noch sehr wenig, sie sind merklich schüchtern, sprechen leise – viele zu leise, wie Ruşen Kartaloğlu ihnen klarmacht. Hier im Workshop dürfen, ja sollen sie laut reden; sie sollen Selbstbewusstsein und Sicherheit gewinnen.

Neue Vokabeln gibt es beim anschließenden Improspiel gleich dazu: Es sollen Gefühle dargestellt werden – cool, hippelig, müde, wütend, fröhlich. Die Schüler und Schülerinnen haben sichtlich Spaß, werden lockerer und spielen anschließend sogar eine kleine Pantomime zu Themen, die sie sich gegenseitig vorgeben.

Über das Amateurtheater zur Theaterpädagogik

Ruşen Kartaloğlu entdeckte über das Amateurtheater seine Vorliebe fürs Theater, hängte seinen Beruf als Kaufmann an den Nagel und gründete vor 25 Jahren zusammen mit Lamis Klein das Tiyatro Diyalog. Er begann als Theaterpädagoge zu arbeiten und wagte noch etwas Neues, was es so noch nicht gab: interkulturelle Theaterpädagogik. Heute geht er mit seinen Workshops in Schulen und bietet Theaterprojekte vor Ort an, beispielsweise „Wurzeln und Flügel“ im Kinder- und Jugendhaus in der Südstadt. So erreicht er auch Kinder, die sonst wenig Chancen auf Berührung mit dem Theater hätten.

Gespielt wird im Kulturtempel in Mühlburg

Wenn genug Gelder zusammenkommen, steht er selbst als Schauspieler auf der Bühne – im Kulturtempel in Mühlburg. Mit Stücken, die nicht das klassische Theaterpublikum ansprechen. „Mit „Kabale und Liebe“ kann man keine Migranten gewinnen“, sagt er. „Die Theater sind sehr traditionell geblieben, „Film und Fernsehen sind da weiter.“ Und so hieß es beim Tiyatro Diyalog nicht Faust, sondern „Faust fürs Auge“, mit Themen aus Goethes Faust, die noch heute relevant sind, auch kulturübergreifend. Und die Handlung? Die wurde modernisiert, ins heute verlegt und mit Musik aufgefrischt.

Eine Revue von Badenern und Zugewanderten erzählte die Geschichte Badens. Und in „Die heimatlose Wahrheit“ spielte Ruşen Kartaloğlu einen traditionellen türkischen Geschichtenerzähler, der nach Deutschland flüchtet.

Comedy Night des Tiyatro Diyalog

Integration, interkultureller Dialog, Chancengleichheit und Persönlichkeitsentwicklung sind die großen Themen des Tiyatro Diyalog. Das klingt ernst, darf aber auch unterhaltend und witzig sein. Beispielsweise in der Comedy Night, der neuen Comedy-Reihe, die das Theater im Kulturzentrum Tempel anbietet. Newcomer und gestandene Profi-Comedians aus ganz Deutschland sind hier zu Gast, um für einen Abend das Publikum zu überraschen und zum Lachen zu bringen.

von fri
12.11.2025
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