Singapur. Am 20.07.2025 holt Florian Wellbrock (27) sein viertes WM-Gold für Deutschland. Vier Goldmedaillen bei der Weltmeisterschaft – damit schreibt er sich ein in die Geschichte des Schwimmsports. Wellbrock siegte über 5 km, 10 km, im neuen Knockout-Sprint und mit der 4×1500-m-Staffel. Damit ist er der erste Athlet, der vier Titel im Freiwasser holt. „Vier Starts, vier Siege – besser geht’s nicht.“
Das Freiwasser ist immer anders. Die Bedingungen ändern sich ständig. Wellengang, Strömungen, thermische Schichten. Die Wassertemperatur variiert, die Orientierung ist erschwert. Sämtliche Faktoren stehen in Wechselbeziehung untereinander, Wind und Wetter wirken sich aus, Fauna und Flora finden sich ein.
Die Bedingungen in der Schwimmhalle sind dagegen fast klinisch, das im Quader eingefasste Wasser wie unter Laborbedingungen. Wellenbrecher trennen die zentimetergenau bemessenen Bahnen, die Temperatur ist konstant, die Abstände sind normiert, kein Wind weht, es gibt keine Verunreinigung, kein Leben.
In der Sportwissenschaft wird aktuell diskutiert, ob das Training im Freiwasser die Schwimmtechnik vervollkommnet.
Einiges spricht dafür. Denn je mehr Sinne eingebunden sind, desto nachhaltiger ist der Lerneffekt, um nur einen Faktor zu nennen.
Wer Kinder beobachtet, sieht die magische Anziehungskraft, die jede Pfütze und jedes Bachbett mit dem glänzenden Nass ausübt. Wer als Kind nicht einmal in den Walzbach gefallen ist, ist kein echter Weingartener. Dieser tradierte Grundsatz zeigt die tiefe Naturverbundenheit der Einwohner des fröhlichen Weindorfs.
Achtung Gartenteichbesitzer! In Deutschland besteht Verkehrssicherungspflicht, verankert in § 823 BGB. Hier wird geregelt, dass jeder, der eine Gefahrenquelle unterhält, die Pflicht hat, diese zu sichern. Das bedeutet beispielsweise einen Zaun um den Gartenteich oder eine Abdeckung über dem Swimmingpool.
Das gilt nicht für natürliche Gewässer im öffentlichen Raum. Zurück am Badesee. Wie im ersten Teil beschrieben, sind eine lückenlose Aufsicht und eine gesunde Vorsicht geboten. Auch wurde angedeutet, dass der See lebt. Die gute Wasserqualität birgt Risiken. Nicht nur Wildgänse und Kröten fühlen sich hier wohl, auch Raubfische sind im Weingartener See zu Hause.
Patrick Wießler, passionierter Freiwasserschwimmer, informiert über die beiden Raubfische, die durchaus im Weingartener See anzutreffen sein können:
Der europäische Wels, normalerweise ein friedlicher Zeitgenosse, der dem Menschen aus dem Weg geht, kann auch anders. Und wenn es zu einer Attacke kommt, kann es ungemütlich werden, wie kürzlich am Brombachsee in Mittelfranken.
Innerhalb kurzer Zeit sind in dem Stausee mehrere Badegäste von mindestens zwei verschiedenen Welsen angegriffen worden. Die Tiere wollten höchstwahrscheinlich ihren Laich beschützen, denn Welse bauen Gehege für ihre Eier, die mehrere Wochen zwischen Mai und Juli bewacht werden.
Der Wels ist ein Warmwasserfisch. Je wärmer das Wasser, desto größer wächst der Wels. In Deutschland gibt es Tiere mit einer Länge von bis zu 2,80 Meter. Doch selbst das größte Tier hat relativ kleine Bürstenzähnchen, sodass eigentlich keine relevanten Verletzungen entstehen. Dennoch kann man sich den Schreck eines Badegastes gut vorstellen, wenn ein Wels angreift. Es gilt: Ruhe bewahren!
Vorsicht vor dem Hecht. Der Esox Lucius, wie der Europäische Hecht mit wissenschaftlichem Namen heißt, steht geschützt im Schatten von Stegen und schnappt gerne mal mit seinen 700 Zähnen nach ein paar Zehen. Was kann er denn dafür, dass so ein Fünferpack aussieht wie ein Schwarm kleiner Rotaugen? Dass meist Frauen gebissen werden, hat einen einfachen Grund: Leuchtender Nagellack mit Glitzer sorgt für einen perfekten zusätzlichen Reiz, dem kaum ein Hecht widerstehen kann. Auch Kinderfinger, die rechts und links vom SUP baumeln, sind von Interesse für den Hecht.
Für nackt badende Männer empfiehlt sich eine Rückenschwimmart.
„Man darf sich halt nicht vorstellen, was unter einem alles rumschwimmt.“ (Patrick Wießler)
Schon die Nähe zu Wasser lässt uns innerlich entspannen, aber die Berührung kann noch mehr. Keine Faszienrolle erreicht den Effekt eines einfachen Aufenthalts im gesamt umfassenden Element. Übergewichtige Menschen oder Schwangere erleben eine neue Leichtigkeit. Wasser reguliert den Blutdruck und stärkt den Kreislauf. Der menschliche Organismus kommt von Natur aus im Wasser gut klar, die natürliche Bewegungsform ist alternierend und damit bevorzugt der Kraulstil, wie auch beim Freistil der Leistungsschwimmer.
Zehn Kilometer im Freiwasser würden für Florian Wellbrock übrigens 200 Umdrehungen auf der Langbahn bedeuten. Wo er lieber trainiert, ob im Becken oder in der Natur, darüber darf spekuliert werden. Auch, wie er im Vergleich in der Halle abschneidet.
In der nächsten Folge geht es um Erlebnisse am Weingartener See. (we)