
Kunst gehört zu Schwetzingen wie der Spargel. Doch was wissen die Menschen von hier und von außerhalb über die Kunstwerke, die es in der Stadt zu sehen gibt? In dieser Reihe gehen wir jeden Monat einem Kunstwerk auf dem Grund.
Das Schwetzinger Stadttor ist eine kunstgeschichtlich gesehen sehr neue Erscheinung. Das Kunstwerk von Kurt Fleckenstein ist typisch für seine „Land-Art“.Was hat es mit dem Turner am Reck auf sich. Kunsthistorikerin Dr. Barbara Gilsdorf gibt Antworten. Das Stadttor eröffnet so die Reihe „Kunstwerk des Monats“ für den September.
Schwetzinger Woche: Wie wird der Besucher von Schwetzingen durch das Stadttor begrüßt?
Dr. Gilsdorf: Was man sieht, ist nicht nur das Tor, sondern ein Ausschnitt von Schwetzingen wie ein kleiner Bilderrahmen.
SW: Welche Geschichte hat der Sportler am Reck?
Gilsdorf: Das Kunstwerk wurde von der Sport-Firma Pfitzenmeier in Auftrag gegeben. Als Dankbarkeit für Schwetzingen. Es ist das Ergebnis einer Ausschreibung. Pfitzenmeier ist ja für Sport zuständig. Es ist außerdem eine Turnerfamilie. Daraus war die Idee des Künstlers Kurt Fleckenstein entstanden. Er hat in seiner Geburtsstadt Heddesheim auch schon ein Stadttor entworfen. Am Schwetzinger Stadttor platzierte er dann den Turner.
SW: Da hängen jetzt noch Schuhe dran, ist das neu?
Gilsdorf: Ja, die Schuhe sind neu und das finde ich bezaubernd. Ich finde es schön, dass ein Kunstwerk weiterlebt. Da hat sich einfach eine Idee dazu entwickelt. Das ist das Schöne bei Kunst im öffentlichen Raum. Es geht hier um das sogenannte „Shoefitti“, das junge Leute hier angebracht haben. Es ist eine Form der Installation, die sich in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat. Unter anderem in New York, in Flensburg und in England. Was es hier in Schwetzingen für einen Hintergrund hat, weiß ich nicht. Ich glaube, das muss ich auch nicht wissen.
SW: Spielt der Sport in Schwetzingen eine besondere Rolle?
Gilsdorf: Ja. Schwetzingen ist bekannt als Kulturstadt oder als Sommerresidenz mit dem wunderschönen Schloss. Hier wird im öffentlichen Raum ein anderer Akzent gesetzt: der Sport. Nicht Spargel und nicht dies und nicht jenes, sondern einfach Sport. Handball, Fußball und Tischtennis sind groß, es gibt viele Traditionssportvereine. Das Stadttor legt darauf seinen Akzent.
SW: Was wissen Sie über den Künstler?
Gilsdorf: Er ist biografisch eher weniger mit Schwetzingen verbunden. Kurt Fleckenstein ist von Haus aus eigentlich Landschaftsarchitekt, sogar promoviert und hoch dotiert. ER hat dann mit 50 Jahren den Entschluss gefasst, sich der öffentlichen Kunst zu widmen.
Die Fragen stellte Dominik Ralser.


