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Figuren wirken kraftvoll „diesseitig“

Kunstwerk des Monats Januar: "Heilige Drei Könige" von Dursy

Kunst ist in Schwetzingen überall zu sehen. In dieser Reihe erläutern wir die Hintergründe verschiedenster Kunstwerke aus verschiedenen Epochen.
Kunstwerk (Skulpturen) "Heilige drei Könige" an einer Gebäudefassade
Die "Heiligen drei Könige" in Schwetzingen haben eine besondere Geschichte.Foto: Tobias Schwerdt

Kunst ist in Schwetzingen überall zu sehen. In dieser Reihe erläutern wir die Hintergründe verschiedenster Kunstwerke aus verschiedenen Epochen, die in der Stadt zu sehen sind. Jedes Kunstwerk ist für sich einzigartig. In dieser Woche spricht Kunsthistorikerin Dr. Barbara Gilsdorf über die „Heiligen drei Könige“ von Volker Dursy.

Schwetzinger Woche: Wie kam es zur Entstehung des Kunstwerks der „Heiligen drei Könige“?
Dr. Barbara Gilsdorf: Der Hockenheimer Hans Volker Dursy, der als Restaurator und Kopist mit dem Skulpturen- und Objektbestand im Schwetzinger Schloss betraut war, fertigte die Figurengruppe der „Heiligen Drei Könige“ im Auftrag des Ehepaars Hillenbrand im Jahre 1985 an. Sie wurde in einer Ecknische, im Zuge der Renovierung des Trägergebäudes eingefügt.

Inwiefern hebt der Künstler Volker Dursy seine Skulptur von anderen Darstellungen ab?
Gilsdorf: Die Figuren sind aus farbig gefasstem Steinguss gearbeitet. Sie wirken kraftvoll, „diesseitig“ und könnten so eher real mögliche Personen darstellen als vergeistigte Teilnehmer einer biblischen Episode zu sein.

Welche Rolle spielt das „Dreikönigshaus“ aus dem 18. Jahrhundert für die Skulptur?
Gilsdorf: Das Gebäude hatte keinen inhaltlichen Bezug zu dem biblischen Thema. 1789 wurde es als neues Schulhaus der katholischen Gemeinde St. Pankratius eingeweiht. Die Figurengruppe nimmt dagegen Bezug zu dem “Gasthaus zu den Dreikönigen“, nach dem auch die Straße benannt wurde. Es befand sich ab 1738 in dem Gebäude Nr. 10 und - von 1816 bis 1951 – in dem Gebäude Nr. 15. Da die Figuren eng gedrängt auf einer nachträglich eingefügten ovalen Plinthe in einer proportional zu kleinen Nische stehen, ist davon auszugehen, dass hier einst nur eine, weitaus zierlichere Figur stand. Gegebenenfalls könnte es sich um eine Madonna (mit Jesuskind), die seit Kurfürst Carl Philipp Beschützerin der Mission und Schutzherrin der Kurpfalz war, gehandelt haben. Die Aufstellung des Schutzheiligen der katholischen Kirche, der Hlg. Pankratius, wäre unter Umständen auch denkbar. Hierzu bestehen jedoch keine näheren Kenntnisse

In welchem Bezug steht die Skulptur zur biblischen Weihnachtsgeschichte?
Gilsdorf: Auch wenn die drei Weisen aus dem Morgenland mit ihren traditionellen Behältnissen ausgestattet sind, fehlt ihnen der herkömmliche Bezug zur Weihnachtsgeschichte. Normalerweise wäre hier auch die Anordnung Caspar, Melchior und Balthasar üblich. In Dursys Fassung steht zuvorderst Balthasar, der für das Greisenalter und somit die Vergangenheit steht, gefolgt von Melchior, der das mittlere Mannesalter und zugleich die Gegenwart personifiziert, und schließt im Hintergrund mit dem kraftvollen, jungen Caspar ab, der die Jugend und die Zukunft verkörpert. In dieser, von einem christlichen Kontext emanzipierten Auffassung, lieferte Volker Dursy ein Sinnbild der Klugheit und Besonnenheit. Diese besagt: Von der Vergangenheit (der Greis = Balthasar) ausgehend, handelt die Gegenwart (das mittlere Lebensalter = Melchior) mit Vorsicht, um die Aktion der Zukunft (die Jugend = Caspar) zu ermöglichen.

Hat die Skulptur ein kunstgeschichtliches Vorbild, an dem sich Dursy orientierte?
Gilsdorf: Dursy verwies mit seiner Figurengruppe auf einen, wenn auch philosophischen, weltlichen Inhalt. In der Kunstgeschichte ist tatsächlich nur ein einziges Beispiel bekannt, das die heiligen drei Könige ohne Bezug zur Weihnachtsgeschichte darstellt. Es handelt sich um die Skulpturengruppe von Josef Georg Witwer in der Pfarrkirche Elmen, aus dem Jahre 1760. Die frontale Stellung und auch die unübliche, „verkehrte“ Anordnung der Figuren könnten für einen Vorbildcharakter sprechen, ist aber wenig wahrscheinlich. Für die Wahl der drei Könige in Schwetzingen bildete der pragmatische Bezug zu einer angrenzenden Straße die Grundlage, die sich namentlich wiederum auf das hier einst befindliche “Gasthaus zu den Dreikönigen“ bezieht. Insofern ist oben genannte Bedeutung eher eine zufällige.

Die Fragen stellte Dominik Ralser.

Erscheinung
exklusiv online
von Redaktion NUSSBAUMDominik Ralser
09.01.2026
Orte
Schwetzingen
Kategorien
Kultur
Kunst