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Für den Wahlkreis 29 Bruchsal

Landtagskandidat Dr. Niclas Moldenhauer (FDP) im Gespräch

Acht Fragen an den Kandidaten Dr. Niclas Moldenhauer (FDP) zur bevorstehenden Landtagswahl am 8. März 2026.
Ein Mann mit Brille lächelt in die Kamera
Dr. Niclas Moldenhauer, Kandidat der FDP für den Wahlkreis 29 Bruchsal.Foto: pr

Von steigenden Lebenshaltungskosten über Bildung, Gesundheit und Pflege bis hin zu Mobilität, Klimaschutz und Sicherheit – die Bürgerinnen und Bürger möchten wissen, wie es um ihr Land steht und welche Perspektiven die politischen Parteien bieten. Bei NUSSBAUM.de beantworten Kandidatinnen und Kandidaten Fragen zu den drängendsten Themen. Dabei geht es sowohl um ihre Analyse der aktuellen Lage als auch um konkrete Ideen und Maßnahmen, mit denen sie Herausforderungen angehen würden.

Wir sprachen mit Dr. Niclas Moldenhauer (FDP), Engineering Manager, wohnhaft in Bruchsal. Seit 2019 ist der Kandidat Mitglied der FDP. Die Fragen stellte Ulrike Wolter.

NUSSBAUM.de: Die Energie- und Lebensmittelpreise belasten viele Haushalte stark. Welche Instrumente halten Sie für wirksam, um Bürgerinnen und Bürger konkret zu entlasten?

Niclas Moldenhauer: Entscheidend ist für mich: Es braucht mehr netto vom Brutto. Wenn Energie- und Lebensmittelpreise steigen, darf der Staat die Menschen nicht zusätzlich belasten. Wirksam sind deshalb vor allem Entlastungen bei Steuern und Abgaben. Statt immer neuer Hilfsprogramme braucht es vor allem eines, und zwar, dass den Menschen am Monatsende mehr von ihrem Einkommen bleibt.
Um niedrigere Strompreise zu gewährleisten, braucht es weniger staatliche Abgaben und schnelleren Ausbau günstiger erneuerbarer Energien. Die Nachfrage zu reduzieren ist keine Option, daher muss das Angebot ausgebaut und vergünstigt werden. Anders kann es nicht dauerhaft stabil sein.

NUSSBAUM.de: Das Förderprogramm „Junges Wohnen“ soll Auszubildenden und Studierenden den Einstieg in den Wohnungsmarkt erleichtern. Halten Sie eine Ausweitung der Landesmittel hierfür für notwendig? Und wie sollte das Land Ihrer Meinung nach mit Leerstand und Umnutzung von Bestandsimmobilien umgehen, um mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen?

Moldenhauer: Das Förderprogramm ist ein Programm des Bundes, welches die Länder mitfinanzieren. Es ist sinnvoll, weil es aktiv dazu beiträgt, bezahlbaren Wohnraum für junge Leute zu schaffen. Wichtig ist aber, dass nicht einfach „nur“ mehr Geld dazugegeben wird, sondern dass echte strukturelle Änderungen erwirkt werden, um mehr Wohnraum zu schaffen. Statt reiner Subvention gibt es z. B. die Möglichkeit, Baustandards zu vereinfachen, um die Baukosten bei Wohnheimen und Wohnungen speziell für Studenten und Azubis zu senken. Das erleichtert auch die direkte Umwidmung von leer stehenden Flächen zu Wohnraum. Wenn Verfahren beschleunigt und bürokratische Hürden aus dem Weg geräumt sind, wird bezahlbarer Wohnraum entstehen.

NUSSBAUM.de: Viele Schulen in Baden-Württemberg stehen vor großen Herausforderungen – vom Lehrkräftemangel über Unterrichtsausfall bis hin zu maroden Schulgebäuden und der Umsetzung von Digitalisierung. Wo sehen Sie aktuell den dringendsten Handlungsbedarf im Bildungsbereich, und welche konkreten Maßnahmen würden Sie in der kommenden Legislaturperiode priorisieren?

Moldenhauer: Der dringendste Handlungsbedarf ist aktuell der Unterrichtsausfall durch Lehrkräftemangel. Im Land sind knapp 2.000 Lehrerstellen nicht besetzt, weil eine IT-Panne in der Landesverwaltung seit Jahren nicht bemerkt wurde. Das zeigt: Es fehlt nicht nur an Personal, sondern vor allem an einer fähigen Regierung, die ihre Finanzen unter Kontrolle hat und solche massiven Schiefstände bemerkt.

Bei Digitalisierung und Gebäuden ist es kein Entweder-oder. Die Gebäude müssen saniert werden, was die Kommunen teilweise vor Herausforderungen stellt. Dem Thema Sanierung muss aber hohe Priorität eingeräumt werden. Bei der Digitalisierung muss das Land mehr in die Pflicht genommen werden. Es ergibt keinen Sinn, dass überall das Rad neu erfunden werden muss, wenn die Schulen landesweit ähnliche Herausforderungen haben.

NUSSBAUM.de: Immer mehr Notfallpraxen schließen, und auch die medizinische Versorgung auf dem Land ist oft lückenhaft. Welche Strategien würden Sie verfolgen, um eine flächendeckende und verlässliche Versorgung sicherzustellen?

Moldenhauer: Die medizinische Versorgung ist nicht mein fachliches Kernthema, aber sie ist eine zentrale Frage der Daseinsvorsorge, gerade im ländlichen Raum. Klar ist, dass viele Ursachen auf Bundesebene liegen, etwa bei Vergütung, Personal und der Organisation der kassenärztlichen Versorgung.
Das Land kann und muss jedoch dafür sorgen, dass moderne Versorgung vor Ort funktioniert. Dazu gehören eine gute digitale Infrastruktur, weniger Bürokratie und die gezielte Förderung neuer Versorgungsmodelle. Telemedizin ist zwar kein Ersatz für den Arzt vor Ort, aber eine sinnvolle Ergänzung zur Entlastung von Notfallpraxen sowie für Ersteinschätzungen und Nachsorge. Ich sehe hier einen großen Hebel zur Verbesserung, wenn Krankenhäuser, Praxen, Rettungsdienste und Bereitschaftsdienste digital besser vernetzt werden. So lassen sich Wege verkürzen, Personal entlasten und Versorgung auch außerhalb der Ballungsräume verlässlich sicherstellen.

NUSSBAUM.de: Welchen landespolitischen Hebel sehen Sie als realistisch, um Pflegekräfte dazuzugewinnen und Einrichtungen zu stabilisieren – jenseits von Appellen an den Bund?

Moldenhauer: Um Pflege langfristig zu stabilisieren, braucht es strukturelle Änderungen statt immer neuer Notlösungen. Eine zentrale Rolle spielt dabei eine stärkere kapitalgedeckte Komponente in der Pflegefinanzierung, die Einrichtungen mehr Planungssicherheit gibt und Investitionen in Personal, moderne Arbeitsbedingungen und Digitalisierung ermöglicht. Auch wenn die Ausgestaltung auf Bundesebene erfolgt, kann und sollte das Land entsprechende Modelle unterstützen und vorantreiben.
Gleichzeitig müssen Pflegekräfte spürbar entlastet werden. Heute geht zu viel Zeit für Dokumentation und Bürokratie verloren. Dokumentationspflichten, die dazu führen, dass dieselben Informationen in Abrechnungen, Pflegedokumentation oder anderen Prüfungen immer wieder erneut erhoben werden, müssen weg! Das Land kann dafür sorgen, dass Pflegekräfte wieder mehr Zeit für Menschen haben statt für Formulare.

NUSSBAUM.de: Das Land Baden-Württemberg hat sich der „Vision Zero“ verschrieben, also der Reduzierung der Verkehrstoten auf null. Welche konkreten Maßnahmen – etwa Infrastruktur, Sanktionen oder Bildungsprogramme – würden Sie prioritär unterstützen, um dieses Ziel im Land zu erreichen?

Moldenhauer: „Vision Zero“ verfolgt ein sehr erstrebenswertes Ziel. Zur Realität gehört aber auch, dass in Baden-Württemberg im Schnitt täglich leider über 320 Menschen versterben. Davon weniger als einer an einem Verkehrsunfall. Übertriebene Verbote sind daher meiner Meinung nach nicht verhältnismäßig, und ich bevorzuge stattdessen eine konsequente Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur. Insbesondere gesonderte Radwege können oft immens zur Sicherheit im Verkehr beitragen, da Radfahrer statistisch am häufigsten bei Unfällen ums Leben kommen.

NUSSBAUM.de: Die Energiewende wird oft als teuer und kompliziert wahrgenommen. Welche Schritte würden Sie ergreifen, um Klimaschutz sozial gerecht, wirtschaftlich tragfähig und technisch machbar umzusetzen?

Moldenhauer: Klimaschutz gelingt nur, wenn er wirtschaftlich sinnvoll, technisch machbar und für die Menschen bezahlbar bleibt. Alles andere wird keine Akzeptanz finden und sich nicht durchsetzen. Ideologische Vorgaben helfen dabei genauso wenig wie ein Weiter so. Entscheidend ist, Emissionen wirksam zu senken und Innovationen zu ermöglichen.
Der einzige Weg, der das langfristig erreichen kann, ist ein starker marktwirtschaftlicher Rahmen durch einen verlässlichen und europaweiten CO₂‑Preis. Wer klimafreundlich investiert, muss davon profitieren.
Aber auch bei diesem Thema gilt: Wir müssen Genehmigungen beschleunigen und Bürokratie abbauen, damit erneuerbare Energien, Netze und Speicher schneller realisiert werden können. Effizienz und technologische Offenheit sind hier entscheidend.

NUSSBAUM.de: Die polizeiliche Kriminalitätsstatistik (PKS) für Baden-Württemberg, die im März 2025 für das Jahr 2024 veröffentlicht wurde, zeichnet ein differenziertes Bild: Während die Gesamtzahl der Straftaten leicht gesunken ist, gibt es einen besorgniserregenden Anstieg bei bestimmten Gewalt- und Kriminalitätsformen. Welche Maßnahmen halten Sie für notwendig, um die Sicherheit im öffentlichen Raum zu erhöhen, ohne die Freiheitsrechte einzuschränken?

Moldenhauer: Sicherheit ist kein Gegensatz zur Freiheit, sondern Teil des Fundaments. Wenn sich Menschen in unserer Gesellschaft nicht mehr sicher fühlen, ist das ein unhaltbarer Zustand. Ich setze mich daher für einen handlungsfähigen Rechtsstaat ein, der Präsenz zeigt. Es braucht mehr Polizisten auf der Straße statt nur Kameras an der Wand. Insbesondere darf der Bürger nicht mittels Gesichtserkennung unter Generalverdacht gestellt werden. Dafür müssen wir die Polizei konsequent von Bürokratie befreien und modern ausstatten. Für mich ist aber auch klar: Die Strafe muss auf dem Fuße folgen. Ein funktionierender Rechtsstaat braucht personell gestärkte Justiz, damit Verfahren nicht Monate dauern, sondern die Konsequenz sofort spürbar ist.

Erscheinung
Bad Schönborner Woche
Ausgabe 05/2026
von Redaktion NUSSBAUMRedaktion NUSSBAUM
26.01.2026
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