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Für den Wahlkreis 38 Neckar-Odenwald

Landtagskandidat Patrick Haag (SPD) im Gespräch

Zehn Fragen an den Kandidaten Patrick Haag (SPD) zur bevorstehenden Landtagswahl am 8. März 2026.
Patrick Haag
Patrick HaagFoto: Haag/PR

Im Vorfeld der Landtagswahlen in Baden-Württemberg am 08.03.2026 hat unsere Redaktion einige der Direktkandidaten befragt. Gestellt wurden insgesamt zehn Fragen aus unterschiedlichen Politikfeldern.

Für die Sozialdemokraten geht im Neckar-Odenwald-Kreis der 39-jährige Hausmeister und gelernte Landschaftsgärtner Patrick Haag aus Schwarzach ins Rennen. Haag gehört der SPD seit 2023 an.

NUSSBAUM.de: Die Energie- und Lebensmittelpreise belasten viele Haushalte stark. Welche Instrumente halten Sie für wirksam, um Bürgerinnen und Bürger konkret zu entlasten?

Patrick Haag: Entlastung muss im Alltag ankommen. Ein wichtiger Punkt ist der Verbraucherschutz. Die Verbraucherzentrale muss gestärkt werden, damit sie konsequent gegen „Mogelpackungen“, versteckte Preiserhöhungen und unfaire Praktiken vorgehen kann. Wer gut informiert ist, kauft ein, ohne sich übers Ohr gehauen zu fühlen.

Gleichzeitig heißt Entlastung auch, regionale Strukturen zu stärken. Kurze Wege, regionale Lebensmittel und starke Betriebe vor Ort sorgen für mehr Versorgungssicherheit und für faire Preise. Das Land kann regionale Wertschöpfung gezielt fördern, etwa durch Unterstützung von Direktvermarktung, regionalen Verarbeitungsbetrieben und kommunalen Initiativen.

Bei Energiepreisen ist entscheidend, unabhängiger von teuren und unsicher werdenden Importen zu werden. Der Ausbau erneuerbarer Energien senkt langfristig Kosten. Wichtig ist dabei, dass Bürgerinnen und Bürger profitieren, etwa über Energiegenossenschaften und kommunale Beteiligungsmodelle.

NUSSBAUM.de: Laut Pestel-Institut gibt es in Deutschland, vor allem in Baden-Württemberg, einen massiven Mangel an bezahlbarem Wohnraum, der sich in den nächsten Jahren verschärfen soll. Mit welchen Maßnahmen möchten Sie den Bau von neuen Sozialwohnungen unterstützen?

Haag: Bezahlbarer Wohnraum entsteht, wenn das Land wieder selbst Verantwortung übernimmt. Dafür braucht es eine landeseigene Wohnungsbaugesellschaft, die dauerhaft Sozialwohnungen schafft und nicht nach einigen Jahren wieder aus der Bindung fallen lässt. So bleibt Wohnraum langfristig bezahlbar.

Wichtig ist auch, dort zu bauen oder zu erwerben, wo Menschen arbeiten und lernen. Werkswohnungen und Azubiwohnheime werden gezielt gefördert, gerade in Regionen mit angespanntem Wohnungsmarkt. Gleichzeitig muss konsequent gegen Leerstand und Zweckentfremdung vorgegangen werden. Wohnraum ist zum Wohnen da, nicht zum Spekulieren.

Ein zentraler Hebel ist das Baurecht. Vorbild ist Hamburg: Vorgaben und technische Standards werden auf das Notwendige reduziert. Mit Typengenehmigungen, einem schlankeren Baurecht und weniger Bürokratie kann schneller gebaut werden und die Kosten sinken bis zu einem Drittel. Familien werden beim ersten Wohnungskauf entlastet, indem die Grunderwerbsteuer entfällt.

NUSSBAUM.de: Ist die aktuelle Kosten- und Aufgabenverteilung zwischen Land und Kommunen bei Kitas aus Ihrer Sicht gerecht? Sollte das Land mehr finanzielle Verantwortung übernehmen – und wenn ja, in welcher Form?

Haag: Die aktuelle Verteilung ist nicht gerecht, da Kitas zudem frühkindliche Bildungseinrichtungen sind. Die Kommunen tragen einen großen Teil der Kosten, während das Land immer neue Aufgaben überträgt. Das bringt viele Städte und Gemeinden an ihre Grenzen und geht am Ende zulasten von Qualität und Angeboten.

Ein zentraler Punkt ist für mich die kostenfreie Kita. Eine Familie mit zwei Kindern spart dadurch schnell rund 3.000 Euro im Jahr bei einer Gruppe mit verlängerter Öffnungszeit. Das ist echte Entlastung für junge Familien und stärkt die Chancengleichheit.

Gleichzeitig ist für mich selbstverständlich, dass gute Erziehung und Betreuung ausreichend qualifizierte Fachkräfte benötigt. Gute Erziehung und Betreuung brauchen ausreichend Fachkräfte. Wir müssen Erzieherinnen und Erzieher entlasten, auch durch kleinere Gruppen und bessere Personalschlüssel. Hier muss das Land die Kommunen dringend unterstützen und zusätzliche Stellen und bessere Rahmenbedingungen verlässlich finanzieren.

NUSSBAUM.de: Viele Kommunen fühlen sich bei Migration und Integration überfordert. Wie schätzen Sie die Situation ein, und welche Ansätze halten Sie für besonders geeignet, um Städte und Gemeinden zu unterstützen?

Haag: Entscheidend ist, dass Kommunen nicht alleingelassen werden. Wer Unterbringung, Kitas, Schulen und Integration organisiert, braucht verlässliche Unterstützung vom Land. Genau da setze ich an. Das Land muss die Kosten fair übernehmen und dauerhaft finanzieren, statt immer neue Aufgaben nach unten durchzureichen.

Integration gelingt vor Ort. Deshalb müssen Kommunen ausreichend Personal für Sozialarbeit, Sprachförderung und Koordination einstellen können. Dafür braucht es einfache, unbürokratische Förderprogramme und eine auskömmliche Finanzierung pro aufgenommenem Menschen. Ehrenamtliche Strukturen wie Helferkreise oder Integrationslotsen müssen gestärkt und professionell begleitet werden.

Wichtig ist, dass Unterbringung dezentral und menschenwürdig erfolgt. Große Sammelunterkünfte überfordern Kommunen und erschweren die Integration. Gleichzeitig braucht es frühzeitigen Zugang zu Sprachkursen, Kitas, Schulen und Ausbildung sowie eine enge Zusammenarbeit mit Betrieben.

NUSSBAUM.de: Immer mehr Notfallpraxen schließen, auch die medizinische Versorgung auf dem Land ist oft lückenhaft. Welche Strategien würden Sie verfolgen, um eine flächendeckende und verlässliche Versorgung sicherzustellen?

Haag:Die Herausforderungen kenne ich nicht nur aus Akten, sondern aus meinem langjährigen Ehrenamt bei den DRK-Helfern vor Ort nur zu gut. Dort zeigt sich, was fehlende Strukturen und lange Wege bedeuten. Gesundheitsversorgung darf nicht vom Wohnort abhängen. Im ländlichen Raum braucht es Verlässlichkeit, keine weiteren Rückzüge. Deshalb setze ich mich dafür ein, dass Notfallpraxen und Bereitschaftsdienste erhalten bleiben und Entscheidungen nicht allein nach Wirtschaftlichkeit getroffen werden. Wer nachts oder am Wochenende Hilfe braucht, muss sie bekommen.

Das Land muss die ambulante Versorgung stärken und mehr Anreize schaffen, damit sich Ärztinnen und Ärzte im ländlichen Raum niederlassen. Dazu gehören Förderprogramme für Praxisübernahmen und medizinische Versorgungszentren in öffentlicher Trägerschaft.

Telemedizin kann ergänzen, ersetzt aber kein persönliches Gespräch. Deshalb braucht es zusätzlich mobile Angebote, Gemeindeschwestern und eine Verzahnung von Rettungsdienst und Kliniken.

NUSSBAUM.de: Der öffentliche Nahverkehr ist in vielen Regionen unzuverlässig, auf dem Land oft unzureichend. Welche konkreten Schritte halten Sie für notwendig, um Mobilität für Stadt und Land sicherzustellen?

Haag:Mobilität muss im Alltag funktionieren, egal ob in der Stadt oder auf dem Land. Dafür braucht es ein verlässliches Grundangebot, das vom Land dauerhaft finanziert wird. Kommunen und Verkehrsverbünde brauchen Planungssicherheit, statt jedes Jahr um Zuschüsse zu kämpfen.

Im ländlichen Raum mit den vielen kleineren Ortsteilen geht es vor allem um Erreichbarkeit. Busse müssen zu Schulzeiten, zu Schichtarbeit, Öffnungszeiten von Behörden und zu Arztterminen passen. Flexible Angebote wie Rufbusse und bedarfsorientierte „On-Demand“-Verkehre werden fest integriert und nicht als zeitlich begrenzte Modellprojekte behandelt. Wichtig ist, dass Anschlüsse funktionieren und nicht der letzte Bus vor Feierabend fährt.

Das Land muss den Busverkehr stärker unterstützen, Haltestellen modernisieren und Fahrzeuge barrierefrei ausbauen. Und das Modell Bürgerbusse als weitere Option im Blick behalten.

NUSSBAUM.de: Baden-Württemberg gilt als starker Wirtschaftsstandort, kämpft aber gleichzeitig mit Fachkräftemangel. Wie bewerten Sie die aktuelle Lage, und welche Maßnahmen halten Sie für besonders wirksam, um Fachkräfte zu gewinnen und Unternehmen zu stärken?

Haag:Bildung ist der Schlüssel, wenn wir Fachkräfte sichern wollen. Und sie beginnt nicht erst in der Ausbildung oder im Studium, sondern schon im Kindesalter. Kostenfreie Kitas mit verpflichtendem letzten Jahr schaffen eine starke Grundlage für die Schulbildung und ermöglichen es Eltern, voll am Berufsleben teilhaben zu können.

Genauso wichtig ist die berufliche Bildung. Kostenfreie Meisterbriefe stärken das Handwerk, schaffen Aufstiegsmöglichkeiten und sorgen dafür, dass Betriebe qualifizierte Fachkräfte halten können. Wer Verantwortung übernimmt und ausbildet, darf dafür nicht noch zur Kasse gebeten werden.

Im Neckar-Odenwald-Kreis spielt auch die Hochschulbildung eine große Rolle. In Mosbach hat die DHBW mit ihren angesehenen Studiengängen, etwa im Bauingenieurwesen, enormes Potenzial. Der Ausbau des Standorts und das geplante Baukompetenzzentrum müssen zügig vorankommen. Das steigert die Attraktivität der Region, bindet junge Menschen und stärkt Unternehmen direkt vor Ort.

NUSSBAUM.de: Die Energiewende wird oft als teuer und kompliziert wahrgenommen. Welche Schritte würden Sie ergreifen, um Klimaschutz sozial gerecht, wirtschaftlich tragfähig und technisch machbar umzusetzen?

Haag: Klimaschutz funktioniert nur, wenn er im Alltag bezahlbar bleibt und praktikabel ist. Deshalb setze ich auf eine Energiewende, die Menschen und Betriebe mitnimmt. Ein zentraler Punkt ist der Ausbau erneuerbarer Energien. Genehmigungen müssen schneller gehen und Kommunen müssen stärker profitieren. Über Energiegenossenschaften sollen die Menschen direkt mitmachen und auch finanziell etwas davon haben. Wo mit erneuerbaren Energien Gewinne entstehen, sollen die Menschen vor Ort davon auch etwas haben.

Das Land muss Programme für Gebäudesanierung, Wärmenetze und effiziente Heizsysteme so ausgestalten, dass sie für normale Haushalte und kleinere Betriebe machbar sind. Wer klimafreundlich umbaut, braucht Planungssicherheit und nicht ständig neue Vorgaben.

Gleichzeitig gilt: Klimaschutz und Industrie gehören zusammen. Das Land bleibt nur stark, wenn Arbeitsplätze gesichert werden. Deshalb setze ich auf Technologieoffenheit, auf Wasserstoff, auf Speicher und auf kluge Netze statt auf Verbote.

NUSSBAUM.de: Viele Menschen fühlen sich von Politik und Verwaltung nicht ausreichend wahrgenommen. Wie beurteilen Sie das Vertrauen der Bürger in die Politik, und was könnte getan werden, um beispielsweise Verwaltung bürgernäher und handlungsfähiger zu machen?

Haag: Vertrauen entsteht, wenn Menschen merken, dass ihre Anliegen ernst genommen werden. Politik braucht dafür Begegnungen auf Augenhöhe und Menschen, die wissen, wie sich Verantwortung im Alltag anfühlt und nicht nur vom Schreibtisch aus entscheiden. Wer aus dem echten Leben kommt, hört anders zu und entscheidet anders.

Viele erleben Verwaltung heute als zu kompliziert und zu langsam, obwohl die Beschäftigten vor Ort ihr Möglichstes tun. Deshalb braucht es mehr Handlungsspielräume für das Personal in den Verwaltungen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen rechtssicher entscheiden können und flexibel auf unterschiedliche Situationen reagieren dürfen, statt sich durch starre Vorgaben zu arbeiten. Das Land muss Gesetze praxistauglicher machen und Bürokratie abbauen.

Bürgernähe heißt außerdem: verständliche Bescheide, klare Zuständigkeiten und feste Ansprechpartner. Digitalisierung kann helfen, Verfahren zu vereinfachen, darf aber den persönlichen Kontakt nicht ersetzen.

NUSSBAUM.de: Der Standort der vom Landkreis getragenen Neckar-Odenwald-Kliniken in Mosbach droht wegzufallen. Wie stehen Sie zu dem Wunsch, diesen zu erhalten und wie würden Sie gegebenenfalls dabei unterstützen?

Haag: Für mich ist klar: Der Standort Mosbach darf nicht einfach geschlossen werden. Eine wohnortnahe Gesundheitsversorgung ist Teil der Daseinsvorsorge, gerade im ländlichen Raum. Wer krank ist oder einen Notfall hat, muss sich darauf verlassen können, schnell Hilfe zu bekommen.

Zur Wahrheit gehört aber auch: Das Defizit der NOK-Kliniken belastet den Landkreis und über die Kreisumlage unsere Städte und Gemeinden. Das schränkt unseren Handlungsspielraum vor Ort massiv ein. Genau deshalb braucht es eine auskömmliche Finanzierung der Krankenhäuser und eine ehrliche Abwägung, was wir uns gemeinsam leisten können.

Als Kreisrat setze ich mich mit voller Kraft für den Erhalt des Standorts ein. Die SPD im Kreistag hat bewusst eine Bürgerbeteiligung durchgesetzt, um den Kreiseinwohnern eine Stimme zu geben.

Auf Landesebene müssen die Krankenhausinvestitionen deutlich besser finanziert werden. Die Landesmittel müssen deshalb von derzeit rund 500 auf 800 Millionen Euro erhöht werden.

Erscheinung
Stadtanzeiger Mosbach
Ausgabe 06/2026
von Redaktion NUSSBAUMRedaktion NUSSBAUM
03.02.2026
Orte
Adelsheim
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Billigheim
Binau
Buchen (Odenwald)
Kategorien
Politik