
Zehn Fragen an Kandidatin Mara Zeltmann (FDP) zur bevorstehenden Landtagswahl am 8. März 2026.
Zur bevorstehenden Landtagswahl wollte NUSSBAUM.de von Kandidaten des Wahlkreises 40 Schwetzingen wissen, wie sie zu viel diskutierten Themen stehen und welche Lösungsansätze sie verfolgen. Diese Woche: Mara Zeltmann (Die Linke). Die 28-jährige Kauffrau im E-Commerce wohnt in Neulußheim und ist seit 2018 Mitglied bei den Linken, und seit drei Jahren aktiv unter anderem als Kreissprecherin und im Kreisvorstand des Kreisverbands Die Linke Rhein-Hardt.
NUSSBAUM.de: Viele Schulen in Baden-Württemberg stehen vor großen Herausforderungen – vom Lehrkräftemangel über Unterrichtsausfall bis hin zu maroden Schulgebäuden und der Umsetzung von Digitalisierung. Wo sehen Sie aktuell den dringendsten Handlungsbedarf im Bildungsbereich?
Mara Zeltmann: Die Bildung muss gefördert werden. Schulen wurden marode gespart und auf Grund eines Programmierfehlers wurden zu wenige Lehrkräfte für Baden-Württemberg einkalkuliert. Des Weiteren reden alle von Lehrermangel und gleichzeitig brechen immer mehr Lehramtsstudierende auf Grund prekärer Verhältnisse ihre Ausbildung frühzeitig ab. Was es braucht, ist eine praxisnahe Reform des Lehrberufs und endlich genügend finanzielle Mittel, um unsere Schulen auf den Stand der Dinge zu bringen.
NUSSBAUM.de: Viele Kommunen fühlen sich bei Migration und Integration überfordert. Wie schätzen Sie die Situation ein, und welche Ansätze halten Sie für besonders geeignet, um Städte und Gemeinden zu unterstützen?
Zeltmann: Städte und Gemeinden sind, wie so oft auf sich gestellt. Sie bekommen eine Aufgabe und stehen dann mittellos davor diese lösen zu müssen. Wenn, und das gilt für alle Belange, Aufgaben an die Kommunen weitergegeben werden, dann müssen diese auch die finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt bekommen.
NUSSBAUM.de: Die Situation in der Pflege wird als dramatisch beschrieben. Wie beurteilen Sie die Lage aktuell, und wo sehen Sie die dringendsten Probleme?
Zeltmann: Menschen in der Pflege arbeiten oft unter prekären Bedingungen. Ein gewürfeltes Schichtsystem, viel zu viele zu Pflegende auf zu wenige die pflegen und das oft zu einem viel zu niedrigen Gehalt. Es braucht mehr Pflegepersonal, bessere Bezahlung und Arbeitbedingungen. Gerade mit Ausblick auf die kommenden Jahre, werden wir noch mehr, gut ausgebildetes Pflegepersonal benötigen. Hier sind wir auf die Unterstützung von Fachkräften aus dem Ausland angewiesen. Deren Abschlüsse müssen bei uns endlich anerkannt werden, damit sie ihrem Beruf direkt nachgehen können.
NUSSBAUM.de: Der öffentliche Nahverkehr ist in vielen Regionen unzuverlässig. Welche konkreten Schritte halten Sie für notwendig, um Mobilität für Stadt und Land sicherzustellen?
Zeltmann: ÖPNV darf nicht vom Profit getrieben werden. Wo weniger Menschen Gebrauch machen, werden Verbindungen einfach gekappt, denn es lohne sich ja nicht. Aber was machen nun die Menschen, die darauf angewiesen sind? Das ist kein zu duldender Zustand. Das Schienennetz muss ausgebaut werden. Bus und Bahnen müssen wirklich überall sinnvoll getaktet fahren können. Der ÖPNV muss endlich eine echte Alternative zur Fortbewegung sein.
NUSSBAUM.de: Der Strukturwandel in der Industrie führt in Baden-Württemberg zu Arbeitsplatzabbau besonders in der Automobil- und Zulieferbranche. Welche konkreten Instrumente des Landes halten Sie für geeignet, um den industriellen Kern des Landes zu sichern?
Zeltmann: Die Wirtschaft muss bedarfsorientiert handeln. Baden-Württembergs Wirtschaft lebt vor allem vom Automobilsektor. Große Autokonzerne haben aber seit Jahren an der Mobilitätswende und dem Bedarf vorbeientwickelt. Es ist unbedingt notwendig den Umschwung zur Elektromobilität nachhaltig zu fördern, aber auch einzufordern. Hier müssen gezielt Anreize und verpflichtende Regeln geschaffen werden. Gleichzeitig dürfen die Konzerne etwa Förderungen nicht einfach als weiteren Gewinn einstreichen, sondern an die Käufer*innen weitergeben. Aber auch hier gilt: Keine Profite für wenige, auf dem Rücken der Beschäftigten.
NUSSBAUM.de: Viele Menschen klagen über steigende Mieten und Baupreise. Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation auf dem Wohnungsmarkt und welche Herausforderungen sehen Sie für die nächsten Jahre?
Zeltmann: Wohnen muss öffentlich, dauerhaft bezahlbar und für alle zugänglich sein. Wir brauchen eine Reform des Mietrechts, stärkere Rechte für Mieterinnen sowie die Bekämpfung von Mietwucher, Leerstand und Zweckentfremdung. Jährlich müssen 20.000 dauerhaft preisgebundene Sozialwohnungen geschaffen werden. Eine Landeswohnbaugesellschaft soll öffentlichen und kommunalen Wohnungsbau stärken, privatisierte Bestände zurückkaufen und Bodenspekulation durch Erbpacht beenden. Leerstände müssen endlich überall mindestens erfasst werden.
NUSSBAUM.de: Welche landespolitischen Entscheidungen halten Sie für realistisch, um Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen spürbar zu entlasten?
Zeltmann: Kurzfristig ist die Streichung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel ein wirksames und effektives Mittel, mittlere und kleine Einkommen zu entlasten. Während der Corona-Pandemie wurde das Modell schon Mal getestet und es hat sich gezeigt, dass ein die Preissenkung zum größten Teil an den Endverbraucher weitergegeben wurden.
NUSSBAUM.de: Die Energiewende wird oft als teuer und kompliziert wahrgenommen. Welche Schritte würden Sie ergreifen, um den Klimaschutz sozial gerecht, wirtschaftlich tragfähig und technisch machbar umzusetzen?
Zeltmann: Baden-Württemberg braucht eine echte, sozial gerechte Energiewende mit Klimaneutralität bis 2035. Die Landesregierung muss jetzt endlich in die Pötte kommen. Erneuerbare Energien müssen massiv ausgebaut, regional organisiert und durch Rekommunalisierung und genossenschaftliche Bürgerbeteiligung vollständig in öffentliche Hand zurückgeführt werden. Wichtig sind vor allem auch der Ausbau von Infrastruktur zur Energieerzeugung und -speicherung.
NUSSBAUM.de: Die polizeiliche Kriminalitätsstatistik (PKS) für Baden-Württemberg zeichnet ein differenziertes Bild: Während die Gesamtzahl der Straftaten leicht gesunken ist, gibt es einen besorgniserregenden Anstieg bei bestimmten Gewalt- und Kriminalitätsformen. Welche Maßnahmen halten Sie für notwendig, um Sicherheit im öffentlichen Raum zu erhöhen, ohne Freiheitsrechte einzuschränken?
Zeltmann: Wenn Menschen existenziell abgesichert sind, sinkt die Anzahl der Straftaten. Bezahlbares Wohnen, faire Löhne, Sozialleistungen, Bildung und gute Gesundheits- und Suchthilfe wirken präventiv und reduzieren Kriminalität. Eine Gesellschaft mit geringerer Ungleichheit hat nachweislich eine niedrigere Kriminalitätsrate. Reine Repression ohne soziale Maßnahmen verlagert Kriminalität oft nur, statt sie zu verringern. Eine faire Sozialpolitik ist also dir wirksamste und nachhaltigste Kriminalprävention.
NUSSBAUM.de: Immer mehr Notfallpraxen schließen, und auch die medizinische Versorgung auf dem Land ist oft lückenhaft. Welche Strategien würden Sie verfolgen, um eine flächendeckende und verlässliche Versorgung sicherzustellen?
Zeltmann: Gesundheitsversorgung ist ein Menschenrecht und muss gemeinwohlorientiert, bedarfsorientiert und wohnortnah sein. Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und zentrale Versorgungsstrukturen gehören in öffentliche Hand. Wir fordern eine Neuausrichtung der Landeskrankenhausplanung nach dem tatsächlichem Bedarf. Die Arbeitsbedingungen für Personal im medizinischen Dienst müssen verbessert werden. Dazu gehört natürlich eine faire Bezahlung, aber auch mehr Personal mit gesetzlicher Personalbemessung. Des Weiteren steht unsere Forderung nach einer solidarischen Krankenversicherung für alle. Menschenleben und Gesundheit sind keine Ware und stehen immer an erster Stelle.