
Zur bevorstehenden Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg hat NUSSBAUM.de einen Fragenkatalog an fünf Kandidatinnen und Kandidaten des Wahlkreises Ettlingen verschickt. Wir wollten wissen, wie sie zu viel diskutierten Themen stehen und welche Lösungsansätze sie verfolgen.
Alena Fink-Trauschel ist Landtagskandidatin für die FDP im Wahlkreis Ettlingen. Die 27-Jährige ist seit der letzten Landtagswahl 2021 Abgeordnete für die FDP im Landtag in Stuttgart. In Ettlingen befindet sich ihr Wahlkreisbüro.
NUSSBAUM.de: Die Energie- und Lebensmittelpreise belasten viele Haushalte stark, auch im Landkreis Karlsruhe wird für dieses Jahr ein starker Anstieg der Heizkosten prognostiziert. Welche Instrumente halten Sie für wirksam, um Bürgerinnen und Bürger konkret zu entlasten?
Alena Fink-Trauschel: Das Leben muss bezahlbar bleiben. Statt immer neuer Subventionen für einzelne Energieerzeugungsformen setzen wir auf strukturelle Entlastungen.
Wir wollen die Stromsteuer auf das EU-Minimum senken und die Netzentgelte reformieren, um die Stromrechnung dauerhaft zu drücken. Beim Heizen lehnen wir Zwang ab: Keine staatlich verordneten Wärmepumpen oder Sanierungspflichten, die Hausbesitzerinnen und -besitzer enteignen. Wir setzen auf Technologieoffenheit – ob Nahwärme, Wasserstoff oder Geothermie, vor Ort entscheidet sich, was sinnvoll ist.
NUSSBAUM.de: Immer mehr Notfallpraxen schließen, und auch die medizinische Versorgung auf dem Land ist oft lückenhaft. Welche Strategien würden Sie verfolgen, um eine flächendeckende und verlässliche Versorgung sicherzustellen?
Fink-Trauschel: Die ärztliche Versorgung im Wahlkreis Ettlingen darf nicht vom Wohnort abhängen. Wir müssen die Niederlassung für Ärztinnen und Ärzte auch auf dem Land wieder attraktiv machen, indem wir Bürokratie abbauen und für faire Honorierung sorgen.
Das Förderprogramm „Landärzte“ werden wir ausbauen und auch für Kinderärztinnen und -ärzte öffnen. In Ettlingen haben wir vor Kurzem am Standort einer ehemaligen Notfallpraxis ein neues medizinisches Versorgungszentrum eröffnen können - das freut mich als Stadträtin ganz besonders, da ich das Projekt von Beginn an eng begleitet habe.
Zudem wollen wir, dass innovative Modelle wie ärztlich geleitete Primärversorgungszentren (z. B. HÄPPI) Eingang in die regelhafte Behandlung finden. Auch die örtlichen Apotheken stärken wir, indem wir sie von kleinteiligen Regulierungen befreien, damit sie ihren Versorgungsauftrag erfüllen können und in der Konkurrenz mit ausländischen Versandapotheken bestehen können.
NUSSBAUM.de: Viele Schulen in Baden-Württemberg stehen vor großen Herausforderungen – vom Lehrkräftemangel über Unterrichtsausfall bis hin zu maroden Schulgebäuden und der Umsetzung von Digitalisierung. Wo sehen Sie aktuell den dringendsten Handlungsbedarf im Bildungsbereich, und welche konkreten Maßnahmen würden Sie in der kommenden Legislaturperiode priorisieren?
Fink-Trauschel: Unsere Schulen brauchen ein Qualitäts-Update. Die dringendste Aufgabe ist die Behebung des Lehrkräftemangels. Es darf nie wieder vorkommen, dass Hunderte Stellen fehlen, weil die Digitalisierung im Ministerium nicht funktioniert.
Weitere Bausteine sind ordentliche Rahmenbedingungen, weshalb wir Grundschullehrkräfte nach A13 bezahlen werden und Lehrkräfte konsequent von Verwaltung entlasten, indem wir IT-Fachkräfte („digitale Hausmeister“) und multiprofessionelle Teams an die Schulen bringen. Lehrerinnen und Lehrer sollen unterrichten, nicht das WLAN flicken.
Wir stehen zum gegliederten Schulsystem und lehnen eine Einheitsschule ab. Damit jedes Kind die richtige Förderung für seine Talente erhält, führen wir die verbindliche Grundschulempfehlung wieder ein und halten an der Notenvergabe fest. Zudem verankern wir digitale Bildung und Wirtschaftswissen fest im Stundenplan.
NUSSBAUM.de: Laut Pestel-Institut gibt es in Deutschland, vor allem in Baden-Württemberg, einen massiven Mangel an bezahlbarem Wohnraum, der sich in den nächsten Jahren verschärfen soll. Mit welchen Maßnahmen möchten Sie den Bau von neuen Wohnungen unterstützen, sodass langfristig auch die Mietpreise nicht durch die Decke gehen?
Fink-Trauschel: Wohnraummangel ist vor allem eine Folge von Überregulierung und explodierenden Baukosten. Wir brauchen einen „Bauboom“, keinen „Bürokratieboom“. Dafür fördern wir den Wohnbau und orientieren uns dabei am sog. „Hessengeld“.
Zudem werden wir die Landesbauordnung (LBO) radikal entschlacken und eine Typengenehmigung einführen, um schneller und günstiger zu bauen. Ein Gebäude, das in Karlsruhe genehmigt wird, sollte bspw. auch sofort in Freiburg genehmigt werden. KI soll Baugenehmigungsverfahren beschleunigen.
Darüber hinaus müssen wir auch den Traum vom Eigenheim wieder ermöglichen. Dafür senken wir die Grunderwerbsteuer von 5% auf 3,5 % und führen einen Freibetrag von 500.000 € ein.
Mietpreisbremsen und Enteignungsfantasien lehnen wir ab, da sie Investitionen stoppen. Private Vermieter brauchen Verlässlichkeit, keine ständigen neuen Auflagen wie die PV-Pflicht, die wir abschaffen werden.
NUSSBAUM.de: Die Energiewende wird oft als teuer und kompliziert wahrgenommen. Welche Schritte würden Sie ergreifen, um Klimaschutz sozial gerecht, wirtschaftlich tragfähig und technisch machbar umzusetzen?
Fink-Trauschel: Klimaschutz gelingt mit Marktwirtschaft, nicht mit Planwirtschaft. Wenn wir konsequent auf den europäischen Emissionshandel als zentrales Instrument mit einem harten, jährlich sinkenden Deckel für die Emissionen setzen würden, könnten wir alle nationalen Vorschriften auf einen Schlag fallen lassen. Der durch den Handel mit Emissionsrechten gebildete CO2-Preis sorgt dafür, dass Treibhausgase immer dort eingespart werden, wo dies am günstigsten ist.
Unser Fokus sollte auf der Vermeidung von Treibhausgasemissionen liegen und nicht auf der Förderung einer einzelnen Technologie. Deshalb setzen wir bei der Erreichung der Klimaziele auf Technologieoffenheit: Dazu gehören natürlich erneuerbare Energien aus Wind und Sonne, aber eben auch Wasserstoff und E-Fuels bspw. für den Luftverkehr.
Ein Verbrenner-Verbot darf es aus unserer Sicht nicht geben. Wir wollen Umwelttechnik „Made in Baden-Württemberg“, welche in anderen Ländern Europas und weltweit nachgefragt wird und die Stärken unseres Landes unterstreicht.
NUSSBAUM.de: Viele Kommunen fühlen sich bei Migration und Integration überfordert. Wie schätzen Sie die Situation ein, und welche Ansätze halten Sie für besonders geeignet, um Städte und Gemeinden zu unterstützen?
Fink-Trauschel: Unsere Kommunen sind vor allem finanziell am Limit. Wir brauchen Ordnung und Realismus. Irreguläre Migration muss gestoppt werden, damit wir denen helfen können, die unseren Schutz brauchen.
Ein weiterer Punkt muss die konsequente Rückführung von Ausreisepflichtigen direkt aus den Erstaufnahmeeinrichtungen sein, um Kommunen zu entlasten. Gleichzeitig wollen wir Fachkräfte gewinnen: Wir brauchen einen digitalen „One-Stop-Shop“, um Visa und Anerkennungen von Berufs- und Studienabschlüssen schnell zu bearbeiten.
Kurzum: roter Teppich für Fach- und Arbeitskräfte, aber Stoppschild für illegale Migration. Aber für eine gelungene Integration erwarten wir neben dem Angebot auch, dass diese wahrgenommen werden, denn das Erlernen der deutschen Sprache und Arbeitsaufnahme sind nicht verhandelbare Voraussetzungen für das Bleiben.
NUSSBAUM.de: Die polizeiliche Kriminalitätsstatistik (PKS) für Baden-Württemberg, die im März 2025 für das Jahr 2024 veröffentlicht wurde, zeichnet ein differenziertes Bild: Während die Gesamtzahl der Straftaten leicht gesunken ist, gibt es einen besorgniserregenden Anstieg bei bestimmten Gewalt- und Kriminalitätsformen. Welche Maßnahmen halten Sie für notwendig, um Sicherheit im öffentlichen Raum zu erhöhen, ohne Freiheitsrechte einzuschränken?
Fink-Trauschel: Sicherheit ist grundsätzliche Voraussetzung für Freiheit. Der Anstieg jeglicher Gewalt ist inakzeptabel. Leider müssen wir feststellen, dass vor allem Gewalt durch nichtdeutsche Täter und Messerdelikte einen starken Anstieg vollzogen haben. Während es früher eine Schlägerei gab, wird heute sofort das Messer gezückt.
Darauf müssen wir reagieren und müssen unsere Polizei besser ausstatten. Wir stehen fest an der Seite unserer Polizei und werden sie mit modernster Technik, wie Tasern und moderner Analyse-Software zur Kriminalitätsbekämpfung ausstatten.
Öffentliche Räume müssen angstfreie Räume sein, deshalb lehnen wir zwar anlasslose Massenüberwachung ab, befürworten aber gezielte Videoüberwachung an Kriminalitätsschwerpunkten. Zudem packen wir die Ursachen an und stärken „Häuser des Jugendrechts“ für schnelle Konsequenzen bei Jugendkriminalität.
NUSSBAUM.de: Die Situation in der Pflege wird als dramatisch beschrieben. Welchen landespolitischen Hebel sehen Sie realistisch, um Pflegekräfte dazuzugewinnen und Einrichtungen zu stabilisieren – jenseits von Appellen an den Bund?
Fink-Trauschel: Die Pflegekrise lösen wir mit Menschen, nicht mit Papier. Wir müssen die Dokumentationspflichten radikal zurückfahren, damit Pflegekräfte wieder Zeit für Patientinnen und Patienten haben.
Ein riesiger Hebel für mehr Pflegekräfte ist die schnellere Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse – das dauert aktuell viel zu lange. Wir wollen eine Willkommenskultur, um internationale Pflegekräfte zügig zu integrieren.
Zudem müssen wir den Beruf durch bessere Arbeitsbedingungen und Karrierewege, auch akademische Pflege, attraktiver machen. Wir fördern zudem die Ambulantisierung, um den stationären Bereich zu entlasten und Menschen länger ein Leben zu Hause zu ermöglichen.
Ein Fokus unseres Engagements muss dabei auch auf der besonderen Situation von Familien mit pflegebedürftigen Kindern liegen. Wohnortnahe Versorgung und familienentlastende Angebote benötigen regionaleVersorgungsstrukturen. Dazu wollen wir auch den Landespflegerat stärker in die pflegepolitischen Themen einbinden.
NUSSBAUM.de: Der öffentliche Nahverkehr ist in vielen Regionen unzuverlässig, auf dem Land oft unzureichend. Welche konkreten Schritte halten Sie für notwendig, um Mobilität für Stadt und Land sicherzustellen?
Fink-Trauschel: Der ÖPNV funktioniert nur, wenn er verlässlich und flexibel ist. Wichtig ist für uns der Einsatz für den Erhalt des Deutschlandtickets mit einem zukunftsfesten Finanzierungskonzept. Wir wollen, dass das Land die notwendigen Zuschüsse bereitstellt.
Aber gerade hier im ländlichen Raum sind große, leere Busse keine ideale Lösung. Hier brauchen wir maßgeschneiderte Lösungen und sollten uns gerade auch für die kleinen Dörfer im Nordschwarzwald autonome Lösungen mit Kleinbussen nicht grundsätzlich versperren.
Sobald diese zugelassen sind, sollten wir sie hier bei uns auch einsetzen und den Menschen Mobilität genau nach ihren Bedürfnissen ermöglichen. Wir sind aber auch der Überzeugung, dass individuelle Mobilität auf dem Land unverzichtbar bleibt. Wir wollen einen klugen Mix der Verkehrsträger, keine Verbote.
NUSSBAUM.de: Baden-Württemberg gilt als starker Wirtschaftsstandort, kämpft aber gleichzeitig mit Fachkräftemangel. Wie bewerten Sie die aktuelle Lage, und welche Maßnahmen halten Sie für besonders wirksam, um Fachkräfte zu gewinnen und Unternehmen zu stärken?
Fink-Trauschel: Baden-Württemberg muss wieder zum „Powerhouse“ werden. Wir haben Unternehmen von Weltrang, einen Mittelstand und Handwerk in einer Qualität und Breite, die ihresgleichen suchen. Aber sie werden von der Politik aktuell mehr gebremst als gefördert – egal ob aus Brüssel, Berlin oder Stuttgart. Die Unternehmen sollten einfach wieder schaffen dürfen und ihre Zeit nicht mit dem Ausfüllen von Formularen verschwenden.
Gegen den Fachkräftemangel stärken wir die duale Ausbildung: Berufliche Bildung muss gleichwertig zur akademischen sein. Zudem brauchen wir gesteuerte Migration in unseren Arbeitsmarkt: Wie ich bereits sagte, beschleunigen wir dafür die Anerkennung ausländischer Abschlüsse und empfangen Leistungswillige mit einer schnellen, digitalen Verwaltung.
Die Fragen beantwortete die Kandidatin schriftlich per Mail.
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