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Anderen Menschen helfen

Interview mit Seniorensicherheitsberater Rainer Schätzle

Rainer Schätzle ließ sich im Landkreis Karlsruhe zum Seniorensicherheitsberater ausbilden, ein Ehrenamt. Mehr zur Tätigkeit verrät er im Interview.
ein Mann hält ein Handy an sein Ohr
Rainer Schätzle ist in Pfinztal ehrenamtlich als Seniorensicherheitsberater tätig.Foto: rist

Rainer Schätzle lebt in Pfinztal-Söllingen. Im Herbst letzten Jahres hatte sich der 61-jährige Verwaltungsleiter einer gemeinnützigen GmbH entschieden, an einer vom Landkreis Karlsruhe angebotenen Schulung zum Seniorensicherheitsberater teilzunehmen. Für die Leser hat er Fragen zu dieser Aufgabe beantwortet.

NUSSBAUM.de: Was hat Sie veranlasst, sich ausbilden zu lassen?

Rainer Schätzle: Meine Mutter wurde mehrfach von einem Enkeltrickbetrüger angerufen und hat glücklicherweise einfach aufgelegt. Als dann Menschen für die Beratung der Senioren gesucht wurden, habe ich mich angesprochen gefühlt. In der Schulung gab es Vorträge von Polizei, Weißer Ring, Opferschutz, Verkehrswacht. Ich finde, ich habe jetzt eine gute Möglichkeit, der Elterngeneration, die dieses Land in harter Arbeit aufgebaut hat, etwas zurückzugeben. Sie hat der Generation ihrer Kinder ermöglicht, zur Schule zu gehen und einen Beruf zu erlernen.

NUSSBAUM.de: Wozu brauchen wir Seniorensicherheitsberater*innen?

Schätzle: Wichtig ist, dass Informationen über die Gefahren, die speziell auf die älteren Menschen lauern, verbreitet werden, und dass die Menschen Ansprechpartner vor Ort haben. Es kann jeden treffen, und es ist keine Schande, hereingefallen zu sein. Trickbetrüger nutzen die Hilfsbereitschaft und Familienliebe der alten Menschen, um Geld zu erpressen. Auch die neuen Medien mit Handy, Mails und Social Media sind Gefahrenquellen für Senioren. Ich finde es gut, dass es diese Schulung gibt. Es ist ein Ehrenamt, wir bekommen kein Geld.

NUSSBAUM.de: Was haben Sie gelernt?

Schätzle: Neu und erschreckend war für mich die Dimension der Schadensfälle und die Höhe der gestohlenen Geldbeträge. Bedrückend finde ich auch die Rücksichtslosigkeit, mit der diese Verbrecherbanden vorgehen, um schnell, skrupellos und perfide den älteren Menschen ihr Erspartes abzunehmen.

NUSSBAUM.de: Welche besonderen Bedrohungen gibt es?

Schätzle: Es gibt die Anrufbetrüger, die sich als Enkel in Not ausgeben und Geld verlangen. Oder als Polizisten, die angeblich vor Betrug warnen und die Menschen auffordern, ihr Geld von der Bank abzuholen und es einem angeblichen Polizisten zu übergeben, der natürlich zur Bande gehört. Es gibt angebliche Vermögensberater, die hohen Profit versprechen. Nicht zuletzt gibt es Heiratsschwindler, die eine Ehe versprechen und so an Geld von älteren Menschen kommen. Ausgenutzt wird immer die Gutgläubigkeit von Menschen, die, weil sie anders aufgewachsen sind, nicht mit solchen Betrügereien rechnen. Das Vertrauen der Menschen in unsere Sicherheitskräfte wird ausgenutzt, und auch, dass ältere Menschen zur Höflichkeit und Respekt erzogen wurden.

Geldscheine auf roter Fläche, teils in Herzchen geformt
Liebe? Ja, aber nur zum Geld! Ganze Banden sind unterwegs, um mit Liebes- und Heiratsversprechen Menschen um ihr erspartes zu bringen. Das nennt man dann den Scammer-Trick.Foto: rist

NUSSBAUM.de: Wissen die alten Menschen um diese Bedrohungen?

Schätzle: Leider schätzen viele, auch jüngere, Menschen die Gefahr als gering ein und denken, dass ihnen das nicht passieren kann. Hier hilft nur ständige Aufklärung.

NUSSBAUM.de: Wie sieht Ihre konkrete Tätigkeit aus?

Schätzle: Dies erarbeiten wir derzeit in unserer Gemeinde mit unserer Bürgermeisterin, Frau Bodner. Wir sind vier Seniorensicherheitsberaterinnen und -berater in Pfinztal und wir planen, vor Ort in die Vereine, ins Betreute Wohnen oder zu Veranstaltungen zu kommen. Vorträge wird dann die Polizei mit ihren Spezialisten halten, sie verfügt auch über Informationsmaterial.

Wir Seniorensicherheitsberater verstehen uns als Bindeglied zwischen Bürgern, Hilfsorganisationen und Polizei. Es soll ein Netzwerk zwischen allen Beteiligten aufgebaut werden, damit vor allem die Polizei Verbrechensschwerpunkte aufdeckt. Wir geben unsere Erkenntnisse über Vorfälle an die Polizei weiter.

Erscheinung
exklusiv online
von red/Quelle: rist
05.03.2026
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