
Die Jenischen sind eine Minderheit, die ethnisch nicht zu den Sinti und Roma gehört. Ihre Geschichte schwankt zwischen Marginalisierung und Wiederentdeckung. Während des Nationalsozialismus gerieten sie in den Fokus rassehygienischer Ideologien. „Rassetheoretiker“ wie Robert Ritter erfassten Jenische systematisch und beschrieben sie in abwertender Weise.
Auch nach 1945 wirkten diskriminierende Kontinuitäten fort. Klischees und Stereotype wurden über Generationen hinweg tradiert und prägten das Bewusstsein der Gesellschaft. Heute sind Kenntnisse über die Jenischen bei Vielen in der Bevölkerung kaum vorhanden, und in den Medien wird immer wieder die Zuschreibung vom „vergessenen Volk“ genutzt.
Auch in den meisten der jenischen Familien kam es zum Bruch: Wissen über die Sprache und Traditionen wurde nicht mehr weitergegeben, wodurch Leerstellen im Familiengedächtnis entstanden. Viele erfahren erst spät, dass ihre Vorfahren Jenische waren. Ebenso in der Familie der Referentin, die mütterlicherseits selbst Jenische ist, bestehen solche Leerstellen. In ihrer Masterarbeit beschäftigt sie sich mit der jenischen Erinnerungskultur heute und entdeckt zugleich ihre jenische Herkunft wieder.
Veranstaltungsort: Raum 400