
Das kennt doch jeder: Da hat man kurz nicht aufgepasst, fährt viel zu schnell in den Ort rein - plötzlich der Lichtblitz. Mist, stand da etwa gerade ein Blitzer? Das könnten sich nächste Woche vermehrt Autofahrer denken, denn von Montag bis Sonntag kommender Woche (13.-19.4) wird bundesweit noch stärker als sonst beim Tempo kontrolliert. Auch Baden-Württemberg beteiligt sich. Die sogenannte Speedweek soll Rasern zeigen, wie gefährlich ihr Verhalten ist.
Was bedeutet das für Autofahrer? Und welche Strafen drohen bei Verstößen? Ein Überblick:
Die Speedweek ist eine vom europäischen Polizeinetzwerk ROADPOL europaweit abgestimmte Aktion. Jedes Jahr im April und im August finden dabei solche Kontrollwochen statt, bei denen die Polizei die Geschwindigkeit auf den Straßen in weiten Teilen Deutschlands strenger überwacht.
In Baden-Württemberg wird von Montag bis Freitag ein verstärkter Fokus auf die Tempo-Überwachung gelegt, wie ein Sprecher des Innenministeriums mitteilte. Höhepunkt der Aktionswoche soll der Mittwoch (15.4.) sein. Mit Laserhandmessgeräten, Geschwindigkeitsgroßmessgeräten, Videofahrzeugen und Blitzer-Anhängern wollen Polizei und Kommunen dann die Temposünder erwischen.
Dazu äußerte sich das Innenministerium nicht. Laut ADAC soll sowohl auf Autobahnen und Bundesstraßen als auch innerorts geblitzt werden. Außerdem könnten Blitzer an unfallträchtigen Streckenabschnitten oder in Gebieten mit besonderer Gefährdungslage - vor Schulen, Altenheimen, an Krankenhäusern oder Baustellen - aufgestellt werden. Da es sich bei der Speedweek um eine europaweite Aktion handelt, sollten Autofahrer aus Baden-Württemberg nicht nur auf heimischen Straßen, sondern auch im Ausland sowie in den Nachbarbundesländern verstärkt auf Blitzer achten.
Ziel des Blitzermarathons sei, die Menschen für die Gefahr von überhöhten Geschwindigkeiten zu sensibilisieren. Laut dem Innenministerium ist überhöhte Geschwindigkeit die Unfallursache Nummer Eins bei schweren und tödlichen Verkehrsunfällen. «Leider stirbt jeden Tag ein Mensch auf baden-württembergischen Straßen - und die Hauptursache ist überhöhte Geschwindigkeit», erklärt Innenminister Thomas Strobl (CDU).
An der Speedweek im April nehmen laut ADAC alle deutschen Bundesländer außer dem Saarland teil. Trotzdem verläuft die Speedweek nicht überall gleich. Baden-Württemberg etwa kontrolliert nur bis Freitag, Hessen und Rheinland-Pfalz dagegen blitzen auch am Wochenende noch verstärkt. Der Mittwoch ist auch nicht überall ein Schwerpunkttag, Niedersachsen, Hamburg und Nordrhein-Westfalen etwa beteiligen sich daran nicht. In einigen Bundesländern wie Bayern werden die genauen Standorte der Blitzer traditionell vorab bekanntgegeben.
Beim jüngsten Blitzermarathon im Südwesten wurden insgesamt 66.585 Verstöße festgestellt. Fast 800 Menschen mussten laut Innenministerium danach ihren Führerschein zeitweise abgeben. Das Innenministerium macht aber keine Angaben dazu, für wie wirkungsvoll es die Speedweek hält.
Ein Sprecher des ADAC erklärt, solche Blitzer-Aktionswochen leisteten einen Beitrag zur Verkehrssicherheit. Sie machten den Menschen die Risiken von zu schnellem Fahren bewusst. Der Sprecher stellt aber auch klar: «Eine solche Woche alleine schafft nicht sofort alle Risiken im Straßenverkehr dauerhaft aus der Welt.» Wichtiger sei, dass alle stets aufmerksam und achtsam im Straßenverkehr unterwegs seien.
Wer überlegt, sich für den anstehenden Blitzermarathon mit einer Blitzer-App oder einem Radarwarner auszurüsten, sollte diesen Gedanken besser verwerfen. «In Deutschland ist jede automatisierte Warnung vor Geschwindigkeitsmessanlagen verboten», erklärt der ADAC-Sprecher dazu. Nicht einmal der Beifahrer dürfte während der Fahrt einen solchen Blitzer-Warner benutzen. Auch die Blitzer-Warnfunktion bei Navigations-Apps und im Navi sollte man besser ausschalten.
Verwende man doch einen dieser Blitzer-Warner, sei das eine Ordnungswidrigkeit, bei der ein Bußgeld von 75 Euro und ein Punkt in Flensburg drohen würden.
Wer mit zu hohem Tempo erwischt wird, muss mit erheblichen Strafen rechnen. Wie teuer es wird, hängt davon ab, wo und mit wie viel km/h zu viel auf dem Tacho man geblitzt wurde. Innerorts sind die Strafen in der Regel höher als außerorts. Bereits wenn man 16 Kilometern pro Stunde zu schnell fährt, drohen mindestens 70 Euro Bußgeld. Mit mehr als 26 km/h zu viel innerorts sind es 180 Euro, ein Punkt und bei Wiederholungstätern sogar Fahrverbot.
Wer mit mehr als 51 Kilometern pro Stunde innerorts unterwegs ist, der muss 560 Euro Strafe zahlen. Der Führerschein ist danach für zwei Monate weg und es gibt zwei Punkte in Flensburg. Wenn andere Menschen durch die Raserei gefährdet wurden, kommen auch noch strafrechtliche Konsequenzen hinzu. Genauere Informationen gibt es beim ADAC-Bußgeldrechner.


