Nussbaum-Logo
NUSSBAUM+
Mittendrin leben, gemeinsam wirken:

Festakt zu 50 Jahre SPHV Wiesloch mit vielen Gästen

Der SPHV feierte 50 Jahre Engagement: Mit Festakt, Kunst, Musik und Begegnungen wurden Mitarbeiter und Angebote für ein inklusives Miteinander geehrt.
Festlich geschmückte SPHV-Werkshalle.Foto: ch

In festlichem Ambiente versammelte sich am Freitag eine große Gästeschar in der umfunktionierten Werkshalle in der Heidelberger Straße.

Zum Jubiläumsakt anlässlich des 50. Geburtstags des SPHV (Sozialpsychiatrischer Hilfsverein Rhein-Neckar / SPHV Service gGmbH) lobten Laudatoren aus Verwaltung und Politik den wichtigen Beitrag des SPHV für die Gesellschaft und dankten den engagierten Mitarbeitern.

SPHV-Angebote

Die Werkshalle war binnen kürzester Zeit ausgeräumt und zu einem Saal umgestaltet worden. Wo zu Zeiten der alten Druckerei nur Arbeitsmaschinen standen, dominieren heute warme Holzelemente, Begrünung, eine Vogelvoliere und eine kleine Kaffeebar.

Ausstellungen zeigten Kunst der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der SPHV-Angebote. Die Dekoration der weiß eingedeckten Tische mit Platzkarten war für das anschließende gemeinsame Mittagessen kunstvoll vorbereitet worden.

„Stunde Null der Psychiatrie“

Der Festakt begann mit der Begrüßung durch Geschäftsführer Dr. Christoph Klotz. Er richtete sich zuerst an die Klienten der SPHV und sprach seinen Dank an die Mitarbeiter für ihr langjähriges Engagement aus.

Anschließend entfalteten die Redner eine chronologische Reise durch die Geschichte des Vereins und seines Wirkens. Prof. Dr. Hans-Joachim Salize (Vorstandsvorsitzender) bezeichnete das Gründungsjahr 1975 als „Stunde Null der Psychiatrie“.

Er zeigte eindringliche Bilder von Schlafsälen, in denen Menschen mit psychischen Erkrankungen damals unter oft menschenunwürdigen Bedingungen aufbewahrt wurden.

Viele Highlights

Vorstand Manfred Walter war beinahe seit Anbeginn dabei und führte im „D-Zug-Tempo“ durch einige der vielen Highlights der SPHV-Geschichte: Gegründet wurde der SPHV 1975 mit einem Startkapital von lediglich 50 DM durch engagierte Mitarbeitende des PZN.

1980 eröffnete eine therapeutische Wohngruppe für 17 Menschen in Neckargemünd.1996 folgte die Tagesstruktur in der Villa Weckesser in Wiesloch. 1999 wurde das erste öffentliche Restaurant „Alte Schuhfabrik“ in Wiesloch eröffnet, ein inklusives Gastronomieprojekt.

2008 wurde in Frauenweiler eine Werkstatt mit 40 Arbeitsplätzen eingerichtet. 2013 zog die Tagesstruktur samt Geschäftsführung und Verwaltung in die ehemalige Druckerei in der Ringstraße 5.

Der leitende Gedanke: Menschen mit psychischen Erkrankungen sollen nicht am Rand leben, sondern „mittendrin leben, gemeinsam wirken“ – ein Motto, das auch in der Gestaltung der Räume und Angebote sichtbar wird.

Grußworte aus Politik und Verwaltung

Bürgermeister Ludwig Sauer würdigte den SPHV als „integralen Bestandteil von Wiesloch“, unverzichtbar für das soziale Gefüge der Stadt.

Die stellvertretende Bürgermeisterin von Rauenberg bezeichnete das SPHV-eigene Restaurant „Zum Glück“ in Rauenberg als große Bereicherung – ebenso wie die Alte Schuhfabrik in Wiesloch – mit einem breiten kulinarischen Angebot und Begegnungsräumen.

Für den Gesundheitsminister Baden-Württembergs, Manfred Lucha, sprang MdL Christiane Staab als Laudatorin ein. Sie betonte die wachsende Bedeutung psychiatrischer und sozialpsychiatrischer Einrichtungen angesichts steigender Bedarfe und gesellschaftlicher Herausforderungen.

Vorstand Manfred Walter blickte mit Freude auf die 40 Jahre SPHV zurück und erwähnte kurz vergangene Kontroversen: unter anderem Proteste gegen dezentrale Unterbringung und eine Phase, in der er unter Morddrohungen eine Woche unter Polizeischutz lebte.

Die Erinnerungen von Kai Schröder (Referatsleiter Sozialplanung, Landratsamt Rhein-Neckar) und Prof. Dr. Markus Schwarz (stellvertretender Ärztlicher Direktor des PZN) verbanden persönliche Anerkennung, Erinnerung an Kooperation sowie den Ausblick auf künftige Chancen der Zusammenarbeit.

Musik, Stimmen, Zwitschern

Der Vormittag wurde musikalisch von Martina Netzer (Gesang) und Luiza Storf (E-Piano) untermalt. Nach dem Eröffnungsstück „Happy Birthday“ erklangen thematisch passende Lieder aus dem Gründungsjahr 1975.

Die Gäste summten mit; manche sangen leise mit. Parallel dazu ertönte immer wieder das Gezwitscher der Zebrafinken aus der Voliere, die täglich zur angenehmen Atmosphäre für SPHV-Klienten sowie Mitarbeiter beitragen.

Menschen hinter der Organisation

Ein zentrales Thema der Reden war die personelle Konstanz im SPHV. Viele Mitarbeiter sind über Jahre und Jahrzehnte engagiert, und es gab bisher nur drei Geschäftsführer.

Immer wieder wurde der Beitrag der vielen Beschäftigten gewürdigt: Betreuung, Verwaltung, Kunstangebote, Therapie, Garten, Service, Reinigung, Küche. Überall wirken Menschen, die mit Herz und Professionalität die Strukturen mittragen.

Das anschließende Mittagessen – frisch zubereitet vom Team der Alten Schuhfabrik – rundete den offiziellen Teil ab. In Gesprächen und Begegnungen setzten sich die Leitmotive des Jubiläums fort. Hier ist ein Netzwerk gewachsen, das nicht nur betreut, sondern verbindet, stärkt und sichtbar macht.

Der SPHV wird auch künftig ein lebendiger Bestandteil von Wiesloch und der Region bleiben. (ch)

Mehr zum Thema

50. Jahre SPHV: Interview mit Christoph Klotz, Marcella Fandry und Manfred Walter

Erscheinung
Wieslocher Woche
NUSSBAUM+
Ausgabe 40/2025
von Redaktion NUSSBAUMRedaktion NUSSBAUM
01.10.2025
Orte
Wiesloch
Kategorien
Panorama
Soziales
Passende Themenseiten
Bildung & Beruf
Bildung & Beruf
Fit, schön & gesund
Fit, schön & gesund
Gesundheit & Soziales
Gesundheit & Soziales