
Es war der von allen erwartete Ausgang. Trotz heftiger, vor allem verbaler Gegenwehr, zeigten sich die geballten Heerscharen der Karnevalsgesellschaft (KG) Blau-Weiss Wiesloch beim traditionellen Rathaussturm siegreich.
Und Oberbürgermeister Dirk Elkemann musste, leicht zähneknirschend, die Kapitulationsbedingungen annehmen. Das samstägliche Spektakel verfolgten viele Närrinnen und Narren auf dem Marktplatz vor dem Rathaus.
Aber natürlich war die Truppe der Blau-Weissen nicht alleine angetreten. Es gab lautstarke, musikalische Unterstützung vom Kurpfälzischen Fanfarenzug. Auch eine Abordnung aus dem benachbarten Nußloch war vertreten.
Da waren die Gajemänndl, die als Maskengruppe den Guten Geist des Waldes verkörpert, und der Karnevalclub Nußloch. Sogar eine Abordnung der Polizei aus Heidelberg wurde unter den Gästen gesichtet.
Es ging dann ordentlich zur Sache. Sofia Keller und Florian Hühn, beide hatten bereits die Prunksitzung der KG moderiert, lieferten sich treffende Wortgefechte mit dem Rathauschef.
Elkemann hatte sich mit seiner Verteidigungsschar als Schlümpfe verkleidet und verkündete anfangs voller Zuversicht, man sei gut vorbereitet, um den Angriffswellen zu trotzen. Das ging zunächst auch auf. Lautstark wehrte man sich, teilweise von Elkemann in Versform vorgetragen.
Aber je länger der Disput dauerte, desto aussichtsloser wurden die Verteidigungsaktionen. Selbst das Werfen von Süßigkeiten konnte den Sturm nicht verhindern. Als dann der Fanfarenzug zur letzten Angriffswelle blies und trommelte und die Garden aufmarschierten, bröckelte der Widerstand im ersten Stock des Rathauses.
Als Sonja Keller dann rief „Legt den OB in Ketten“, gab es kein Halten mehr. Seitens der Verteidiger ließ man nichts unversucht, die anstürmenden Scharen abzuwehren. Sogar eine Absperrung an der nach oben führenden Treppe hatte man angebracht. Ohne Erfolg jedoch.
Es dauerte nicht lange, bis Elkemann dann in Ketten nach draußen geführt wurde und dies unter Beifall der Besucherschar. Dann stand die Annahme der Kapitulationsbedingungen an. Da hatte man sich seitens der KG einiges einfallen lassen.
So beispielsweise: Sobald das Glockenspiel des Rathauses ertönt, ist bis Aschermittwoch Schunkeln in der Verwaltung angesagt. Des Weiteren müssen alle leitenden Angestellten ein kostümiertes Bild auf der städtischen Seite hochladen.
Doch damit nicht genug, denn am Faschingsdienstag mussten alle ausgehenden Mails mit „Wiesloch Helau“ versehen werden. Und im Verlauf des Jahres soll die Wieslocher Straße in „Straße zum närrischen Löwen“ umbenannt werden.
Weiter soll ein Bild mit dem Vorstand der KG aufgestellt werden, und dies mit der Überschrift „Die neuen Herrscher“, und dies bis zur Schlüsselrückgabe, die am Aschermittwoch erfolgte. Zu guter Letzt sollte Elkemann am Rosenmontag um 11:11 Uhr als Weinkönigin den Faschingsschlager „Am Rosenmontag bin ich geboren“ intonieren und dies auf dem Marktplatz.
Elkemann akzeptierte alles, kein Wunder in Ketten. Der Rathausschlüssel wurde übrigens am Mittwoch beim Heringsessen der KG zurückgegeben.