
Mehr Leistungsdruck, mehr Konkurrenz, frühe Noten: Nach Ansicht der Lernforscherin und Neurowissenschaftlerin Michaela Brohm-Badry braucht das deutsche Schulsystem dringend einen grundlegenden Wandel. Im Interview spricht die Expertin im Zuge der LEARNTEC, Europas größter Fachmesse mit Kongress für digitale Bildung in Schule, Hochschule und Beruf in Karlsruhe, über die Bedeutung humanistischer Werte, die Verbindung von Wohlbefinden und Leistung sowie konkrete Reformschritte für Schule und Arbeitswelt.
Neue Erkenntnisse aus Psychologie und Hirnforschung zeigten, dass Angst und ständige Bewertung Lernprozesse eher behinderten als förderten. Statt Selektion und Druck seien Motivation, soziale Verbundenheit und Wohlbefinden entscheidende Voraussetzungen für nachhaltigen Lernerfolg. Wer mit Freude lerne und eigene Fortschritte erlebe, entwickle Selbstwirksamkeit und bleibe langfristig leistungsfähig.
Kritisch sieht Brohm-Badry insbesondere das frühe Aussortieren von Kindern im mehrgliedrigen Schulsystem sowie die traditionelle Notengebung. Andere Länder setzten längst stärker auf spätere Bewertungen, individuelle Förderung und kompetenzorientierte Rückmeldungen.
Zugleich warnt die Wissenschaftlerin vor wachsenden psychischen Belastungen junger Menschen. Einsamkeit, soziale Medien, gesellschaftlicher Druck und Zukunftssorgen träfen auf ein Bildungssystem, das vielerorts noch auf Konkurrenz statt Unterstützung ausgerichtet sei.
Chancen sieht Brohm-Badry dagegen in digitalen Technologien und Künstlicher Intelligenz. Richtig eingesetzt könnten sie Lerninhalte stärker personalisieren und Lehrkräfte sinnvoll entlasten – ersetzen könnten sie den menschlichen Faktor jedoch nicht.
Im Interview geht Dr. Michaela Brohm-Badry genauer auf diese Punkte ein. Das Gespräch finden Sie unter folgendem Link:
