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Im Hinblick auf die Landtagswahl

Naturschutztage 2026 am Bodensee: Politik muss handeln

Die Naturschutzverbände NABU und BUND haben klare Forderungen an die Landespolitik in Baden-Württemberg.
Gruppenfoto vieler Menschen mit Plakaten
Fotoaktion der Naturschutztage 2026 zur Landtagswahl mit Johannes Enssle und Sylvia Pilarsky-Grosch (Bildmitte).Foto: NABU/Frank Müller

Der zweite Tag der 49. Naturschutztage am Bodensee stand ganz im Zeichen der baden-württembergischen Landtagswahl am 8. März 2026. Unter dem Motto „Natürlich gemeinsam für Umwelt & Natur wählen“ setzten hunderte Teilnehmende mit einem Aktionsfoto ein sichtbares Zeichen für mehr Natur- und Umweltschutz in der Landespolitik.

Bald ein nachhaltiges Baden-Württemberg?

„Diese Landtagswahl ist eine Chance, gemeinsam die Weichen für ein nachhaltiges Baden-Württemberg zu stellen. Im Klima- und Naturschutz ist das Land in einigen Bereichen bisher Vorreiter – etwa mit dem Biodiversitätsstärkungsgesetz, ehrgeizigen Klimazielen oder der kommunalen Wärmeplanung. Trotz der zugespitzten politischen Lage und den Sorgen um die Wirtschaft darf es dabei kein Nachlassen oder gar Rückschritte geben“, so die BUND-Landesvorsitzende Sylvia Pilarsky-Grosch.

Potenzial nach oben

Der NABU-Landesvorsitzende Johannes Enssle ergänzte: „Wir erwarten mehr Einsatz für Klima- und Naturschutz von der nächsten Landesregierung. Schließlich gibt es noch viel zu tun, um Klima und natürliche Lebensgrundlagen wirksam zu schützen. Dafür stehen wir ein – natürlich gemeinsam für uns und alle künftigen Generationen.“

Gemeinsam handeln

In seinem Impulsvortrag zeigte NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger, wo EU- und Bundespolitik beim Natur-, Klima- und Umweltschutz aktuell besonders gefordert sind. Und er machte deutlich, welche Schlüsselrolle den Bundesländern bei der „Rettung der Natur“ zukommt: „Die Wiederherstellung unserer Natur entscheidet sich vor Ort – und damit maßgeblich in den Ländern. Sie verfügen nicht nur über die rechtlichen Spielräume, sondern auch über das regionale Wissen, um wirksame und kooperative Lösungen zu entwickeln. Beispiele wie der Niedersächsische Weg oder das Biodiversitätsstärkungsgesetz zeigen, was möglich ist, wenn Verwaltung, Landnutzung und Naturschutz gemeinsam handeln. Genau diesen Geist braucht es jetzt bei der Umsetzung der EU-Wiederherstellungsverordnung.“

Podium auf Bühne
Podiumsdiskussion zur Landtagswahl am Sonntag. v.li: Klaus Hoher, Gabi Rolland, Thekla Walker, Johannes Enssle, Raimund Haser, Sylvia Pilarsky-Grosch.Foto: NABU/Frank Müller

Wer schützt Natur und Umwelt?

Im Anschluss diskutierten Pilarsky-Grosch und Enssle mit einem hochkarätigen landespolitischen Podium zur „Landtagswahl 2026 – Wer schützt Natur und Umwelt?“ über Themen wie den Biber, das Biodiversitätsstärkungsgesetz, Flächenverbrauch oder die EU-Wiederherstellungsverordnung. Zu Gast waren die Landtagsabgeordneten Raimund Haser (CDU), Klaus Hoher (FDP), Gabi Rolland (SPD) und Landesumweltministerin Thekla Walker (GRÜNE). Sie betonte: „Wir müssen aufhören, Naturschutz als Kulturkampf zu diskutieren. Entweder Wirtschaft oder Klimaschutz – das bringt uns nicht weiter. Wir dürfen keine Zeit verlieren und müssen die Chancen nach vorne stellen.“

Streitthema: Biberverordnung

Beim Streitpunkt der neuen Biberverordnung im Land waren sich alle einig: Zehn Prozent pauschale Abschüsse sind unsinnig. „Der Biber gehört nicht ins Jagdrecht. Wir wollen ein kluges Management, um die wenigen Konfliktfälle besser zu lösen“, so die Ministerin, während Hoher eine pauschale Abschussquote als „eine Dummheit“ bezeichnete, auch wenn er sich kurz darauf für biberfreie Zonen im Land aussprach.

Beim Flächenverbrauch bekannte sich Haser im Grundsatz zu der Idee der Netto-Null: „Hier geht es auch darum, welche Infrastruktur man umnutzen und auf welche wir in Zukunft vielleicht verzichten können.“ Gabi Rolland betonte, auch für den Wohnbau müsse gelten: „Dichte vor Fläche“.

Saal voller Menschen und Bühne mit Podium
Auch der zweite Tag war gut besucht.Foto: BUND BW/Frank Müller

Starker Naturschutz auch in Krisenzeiten

„Wir sehen hier bei den Naturschutztagen ganz deutlich: Naturschutz muss ein zentrales Thema bei der anstehenden Wahl sein. Auch wenn die Politik mitunter den Eindruck erweckt, dieser sei in Krisenzeiten nachrangig – das Gegenteil ist der Fall! Es geht um unsere Lebensgrundlagen. Wer sich darum nicht kümmert, sägt an dem Ast, auf dem er sitzt“, fasste der NABU-Landesvorsitzende Enssle, der die Runde moderierte, zusammen.

Pilarsky-Grosch erklärt dazu: „Bitte sorgen Sie mit Ihrer Stimme dafür, dass Arten-, Natur- und Klimaschutz klare Leitplanken des politischen Handelns in unserem Land bilden. Und dass unsere offene Gesellschaft, die demokratische Teilhabe und das vielfältige Engagement zivilgesellschaftlicher Organisationen die dringend nötige Wertschätzung erfahren.“

Erscheinung
exklusiv online
von pm/red
05.01.2026
Orte
Radolfzell am Bodensee
Stuttgart
Kategorien
Panorama
Politik
Tiere, Natur & Umwelt